Rückenschonung

Unsere Kinder tragen in ihren Schulranzen viel Gewicht mit sich herum. Deshalb ist es besonders wichtig, dass der Ranzen oder Rucksack rückenschonend konzipiert ist und getragen wird.

Schulranzencheck

schulranzencheck

Nicht alles muss in den Schulranzen – Inhalt auf Unnötiges checken

Insbesondere im Grundschulalter sind die Knochen noch weich und (ver)formbar und daher besonders anfällig. Dazu kommt, dass Grundschulkinder nicht die Muskelkraft besitzen wie ältere Kinder. Daher ist besonders auf das Ranzengewicht zu achten. Der Löwenanteil am Schulranzengewicht ist der Inhalt. 7 Kilogramm und mehr sind keine Seltenheit. Kein Wunder, kommen beim Überprüfen doch oft viele Dinge zum Vorschein, die nicht hineingehören.

Belastung ist nicht immer auch Überlastung!

Bewegung ist lebenswichtig, für das „Heranwachsen“, also die Entwicklung elementarer körperlicher, geistiger und psychischer Prozesse brauchen Kinder vielseitige, selbstorganisierte und ihre Grenzen auslotende Bewegungserfahrungen. Insbesondere die ersten 10 Lebensjahre sind sehr entscheidend. Bewegung stärkt die naturgegebenen Potentiale der Kinder und macht sie belastungsverträglicher.

kontrollieren

  • Achten Sie darauf, dass Ihre Kinder nur das in die Schule mitnehmen, was sie wirklich brauchen. Hefte und Bücher, die nicht zu Hause gebraucht werden, sollten in dafür vorgesehene Fächer in der Schule deponiert werden.
  • Überprüfen Sie mit den Kindern gemeinsam alle zwei bis vier Wochen den Inhalt des Ranzens und erklären Sie Ihren Kindern die Bedeutung eines zu schweren Schulranzens.

gewicht

  • Wiegen Sie mit Ihren Kindern gemeinsam die einzelnen Inhalte des Schulranzens. Machen Sie daraus ein Ratespiel: "Was wird wohl das Mäppchen wiegen?" Übertragen Sie Ihren Kindern die eigene Verantwortung über den Inhalt des Schulranzens.
  • Achten Sie darauf, dass schwere Wasser- und Getränkeflaschen nicht mit zur Schule gebracht werden müssen, sondern organisieren Sie gemeinsam mit dem Klassenlehrer einen Getränkeservice für das Klassenzimmer.

sitzt perfekt

  • Achten Sie auf das richtige Tragen des Schulranzens. Liegt er eng am Körper an und schließt mit der Oberkante im Nacken ab? Sitzt er nicht zu hoch und nicht zu niedrig? Sind schwere Ranzeninhalte in den körpernahen Fächern verstaut?
  • Belastung ist nicht immer auch Überlastung. Das Tragen von Schulranzen / Schulrucksäcken hat auch einen positiven Trainingseffekt auf Muskeln und Knochen.

draußen spielen

  • Sorgen Sie dafür, dass Ihre Kinder sich viel, vielseitig und täglich bewegen. Das fängt mit dem Schulweg an. Denn nur Kinder, die sich ausreichend bewegen, sind fitte Kinder mit einer verbesserten Belastungsverträglichkeit.
  • In Mode gekommene Trolleys sind für Ihre Kinder keine Hilfe. Im Gegenteil, sie haben gleich mehrere Nachteile. Lassen Sie Ihr Kind den Schulranzen selbst tragen. Ein rückengerecht konstruierter, richtig getragener und angemessen schwerer Schulranzen unterstützt Muskel- und Knochenwachstum.

Schulranzengewicht

Der Ranzen darf ruhig etwas schwerer sein – 10 Prozent war gestern

Die bisherigen Empfehlungen für ein Tragegewicht, welches 10 bis 12,5 Prozent des Körpergewichts nicht überschreiten sollte, sind wissenschaftlich nicht belegbar.

Schulranzengewicht

Aktuelle Ergebnisse zeigen, dass durchschnittlich fitte Heranwachsende auch bei einem Tragegewicht von 20 Prozent ihres Körpergewichts keine Anzeichen von Überlastung zeigen (Kid-Check Studie der Universität des Saarlandes 2008), wohingegen körperlich schwächere Kinder durchaus schon bei 12 Prozent Tragegewicht Anzeichen einer Überbelastung aufweisen. Normwerte verleiten somit zu irreführenden Kaufentscheidungen und lenken den Blick von eigentlich komplexeren Problemen ab. Mögliche Gefährdungen heranwachsender Rücken sind sehr vielseitig. Sie stehen aber immer im Zusammenhang mit folgenden Faktoren:

  • Alter
  • individuelle Belastungsverträglichkeit (Kraft und Koordinationsleistung)
  • Belastungsdauer
  • ergonomische Qualität des Schulranzens/Schulrucksacks
  • individuelles Trageverhalten
  • weitere Risikofaktoren wie Bewegungsmangel und stundenlanges Sitzen

Schulranzen-Kauf

Worauf achten beim Kauf eines Schulranzens oder Schulrucksacks

Schulranzenkauf

Fächeraufteilung

Die Fächeraufteilung im Schulranzen / Schulrucksack muss so gestaltet sein, dass ein rückennahes Platzieren / Tragen schwerer Gegenstände in einem dafür vorgesehenen Innenfach realisiert werden kann.

Schulterträger müssen ...

  • gut gepolstert und ergonomisch geformt sein (die S-Form spart den Nackenbereich zur Vermeidung von Druckstellen aus, und verhindert das Herunterrutschen von den Schultern)
  • mindestens 4 cm breit sein
  • aus rutschfestem Material bestehen
  • auf Schulterhöhe nahtfrei sein (keine druck- bzw. reibeerzeugende Innennähte)
  • leichtgängig verstellbar und optimal auf die Proportionsunterschiede einstellbar

Leergewicht

Das Leergewicht des Schulranzens oder Schulrucksacks darf bei einem Innenraumvolumen von Minimum circa 15 Liter

  • Grundschulalter:
    Circa 1.300 g (das entspricht circa 87 g / Liter Innenraumvolumen) nicht überschreiten.
  • Mittel- und Oberstufenalter
    Circa 1.500 g (das entspricht circa 100 g / Liter Innenraumvolumen) nicht überschreiten.

Verstellbare Schulterträger

Durch Verstellbarkeit der Schulterträger (Schulterhöhenverstellung) muss das dichte/nahe Platzieren an den Schulterblättern ermöglicht werden.

Handling

Der Schulranzen / Schulrucksack sollte über eine komfortable Anhebehilfe verfügen.

Standboden

Der Schulranzen / Schulrucksack sollte durch einen verstärkten Boden selbständig und sicher stehen können.

Der richtige Ranzen

Der richtige Ranzen

Der geeignete Schulranzen / Schulrucksack

Grundvoraussetzung ist, dass der Schulranzen / Schulrucksack optimal passt. Ranzen ist nicht gleich Ranzen und natürlich findet man auch bei Erstklässlern große Unterschiede hinsichtlich Größe und Körperbau.

Generell gilt:

Der Schulranzen / Schulrucksack sollte ein ergonomisch geformtes Rückenteil besitzen, welches der natürlichen Form der Wirbelsäule nachempfunden ist.
Die auf dem Rücken des Nutzers anliegende Seite (Rückenkonstruktion) des Schulranzens / Schulrucksacks muss folgende Kriterien aufweisen:

  • Ergonomische Konturierung (unter Berücksichtigung der physiologischen Schwingung der Wirbelsäule), welche die Wirbelsäule entlasten und die Hauptlast entlang der Wirbelsäule seitengleich überträgt. Der Schulranzen / Schulrucksack soll sich an den Rücken "anschmiegen".
  • Stabiles Material, damit der Inhalt nicht auf den Rücken des Nutzers durchdrücken kann.
  • Atmungsaktive Rückenpolsterung zur Belüftung und Verminderung der Wärmeentwicklung.
  • Rutschfestes Material mit seitlicher Rückenführung (z. B. seitliche Erhöhungen oder Beckenflossen beim Schulrucksack), welches ein "Hin und Her"-Rutschen verhindert und eine mittige Platzierung des Schulranzens / Schulrucksacks auf dem Rücken gewährleistet.

Schulrucksack

Ein (abnehmbarer) Becken- / Hüftgurt sowie ein längen- und höhenverstellbarer (abnehmbarer) Brustgurt müssen den Schulrucksack sicher am Körper fixieren, sodass sich das Gewicht optimal von den Schultern auf den hinteren oberen Beckenkamm verlagert. Dank des Brustgurts rutschen die geschwungenen und gut gepolsterten Träger nicht von den Schultern. Zudem muss der Inhalt nah an den Rücken herangebracht werden, z. B. mittels eines Tunnelzugs mit Kompressionseffekt bzw. durch einen seitlich angebrachten Kompressionsgurt. Dadurch verdichtet sich der Schulrucksack und verringert somit die Hebelwirkung auf den Rücken. Ein Großteil des Gesamtgewichts wird somit vom Rücken auf den hinteren oberen Beckenbereich des Kindes übertragen und durch die Beckenflossen / Beckengurt optimal umverteilt.

Der Schulrucksack sollte sich optimal an den Rücken des Kindes anpassen. Um diesen Anspruch zu erfüllen gibt es hinsichtlich der Rückenlängenanpassung zwei Möglichkeiten:

1. Über eine stufenlose Rückenlängenanpassung, welche die Höhe des Schulrucksacks individuell über eine Größenskalierung anpasst. Durch die verstellbaren Schultergurte und die Lageverstellriemen erfolgt die finale Anpassung des Schulrucksacks.

2. Mit Hilfe von Lageverstellriemen, die eine schnelle, individuelle Anpassung an den Rücken ermöglichen. Die Verstell-Mechanismen dürfen keinen Druck auf den Rücken des Kindes erzeugen. Sie ermöglichen, dass sich der Schulrucksack optimal an die individuellen anatomischen Bedürfnisse der Kinder anpasst.

Schulranzen

Ein längen- und höhenverstellbarer Brustgurt muss den Schulranzen sicher am Körper fixieren, sodass sich das Gewicht optimal verlagert. Dank des Brustgurts rutschen die geschwungenen und gut gepolsterten Träger nicht von den Schultern.

Das richtige Tragen

Der Schulranzen / Schulrucksack muss die Belastung optimal verteilen

Das Gewicht sollte dabei möglichst körpernah positioniert werden um die Rückenpartie optimal zu stützen.

Das richtige tragen

Die Einstellung ist wichtig!

Der Ranzen sollte immer mit beiden Schultergurten auf dem Rücken getragen werden. Beide Riemen sind straff gezogen, schwere Gegenstände sind möglichst rückennah im Ranzen verstaut. Der Schulranzen liegt an beiden Schulterblättern an. Die Oberkante verläuft waagerecht und befindet sich auf Höhe der Schultern.

Falsches Tragen – die Folgen!

Fehl- und Mehrbelastungen sind bereits vorprogrammiert, wenn der Ranzen dauerhaft mit einer Hand oder lässig mit nur einem Schultergurt getragen wird. Der Körper muss nämlich zur Kompensation der einseitigen Belastungen eine ausgleichende Haltung einnehmen.
Zudem ist durch die veränderten Hebelkräfte die Belastung höher. Dauerhaft kann das zu Haltungsstörungen führen. Bei zu lang eingestellten Gurten wird durch die veränderte Haltung zusätzlich die Atmung beeinträchtigt.

Freizeitrucksack – hip aber rückenbelastend

Während Schulranzen/Schulrucksäcke konstruktionsbedingt ein gewisses Grundgewicht aufweisen, sind sogenannte Freizeitrucksäcke leichter und bieten selten ausreichend ergonomische Trageeigenschaften. Sind sie daher besser? Nein! Ihnen fehlt es im Gegensatz zum Schulranzen/Schulrucksack an der nötigen Eigenstabilität. Diese ist nötig, um das Gewicht des Inhalts gleichmäßig zu verteilen. Die heute coole Trageweise, nämlich mit möglichst lang eingestellten Riemen, tut ihr Übriges.
Die entstehenden Hebelwirkungen erhöhen die Belastung auf Muskeln, Knochen und Gelenke erheblich. Darüber hinaus ist das Rückenteil oft nicht ausreichend gepolstert, der Inhalt drückt gegen den Rücken.

Rückenprobleme?

Viele Rückenprobleme lassen sich mit ausreichend Bewegung vorbeugen

Rückenprobleme

Wer rastet, der rostet. Viele Kinder bewegen sich zu wenig:

  • Schulwege werden mit dem Auto oder dem Bus zurückgelegt.
  • Stundenlanges Sitzen auf meist starrem Mobiliar prägen den Schultag und die Freizeit.
  • Der Schulsport wird oft Opfer von Stundenausfall.
  • Die Freizeit wird zunehmend vor dem Computer oder dem Fernseher verbracht.

Die Lebensweise aber prägt ganz entscheidend die körperliche und geistige Fitness.

Infos und Tipps für Eltern

  • Bewegen Sie sich zusammen mit Ihrem Kind in der Freizeit und gehen Sie mit gutem Beispiel voran. Nur so kann sich Ihr Kind gesund und fit entwickeln. Derart trainiert, kann es auch ein etwas höheres Ranzengewicht "verkraften".
  • Unterstützen Sie Schule und Lehrkräfte bei Schulprojekten zur Förderung der Gesundheit.
  • Achten Sie auf eine ausgewogene und kalziumhaltige Ernährung.

Diese Punkte sollten Sie im Sinne einer gesunden Entwicklung Ihres Kindes beachten.

Bewegung ist lebenswichtig

Bewegungscheck

Bewegungs-Check

Bewegung ist lebenswichtig, für das „Heranwachsen“, also die Entwicklung elementarer körperlicher, geistiger und psychischer Prozesse brauchen Kinder vielseitige, selbstorganisierte und ihre Grenzen auslotende Bewegungserfahrungen. Insbesondere die ersten 10 Lebensjahre sind sehr entscheidend. Bewegung stärkt die naturgegebenen Potentiale der Kinder und macht sie belastungsverträglicher.

Machen Sie den Test!

Inwieweit auch Ihr Kind von Bewegungsmangel bedroht ist, können Sie leicht überprüfen, indem Sie gemeinsam mit Ihrem Kind diese Punkte abarbeiten:

  • Verbringt Ihr Kind mehr Zeit vor dem Fernseher oder dem Computer als dass es sich bewegt?
  • Kommt es beim Treppensteigen schnell aus der Puste?
  • Kann es ab dem 6. Lebensjahr nicht mindestens 10 Sekunden ruhig auf einem Bein stehen (ab dem 8. Lebensjahr mit geschlossenen Augen)?
  • Kann es ab dem 6. Lebensjahr keine 5 Sprünge rhythmisch nacheinander auf einem Bein ausführen?

Haben Sie eine dieser Fragen mit „Ja“ beantwortet?

Sie sollten wissen, dass Bewegungsmangel schwerwiegende gesundheitliche Beeinträchtigungen zur Folge hat, wie zum Beispiel:

  • Schwächung und Verkümmerung der Muskulatur, so dass ihre stützende und koordinierende Funktion auf die Körperhaltung unzureichend ist.
  • Schwächung des Knochensystems und dadurch bedingt eine geringere Belastungsverträglichkeit.
  • Stoffwechselstörungen, Übergewicht.
  • Herz-Kreislauf-Funktionsschwächen und -erkrankungen
  • Schwächung des Immunsystems.
  • Mangelhafte Koordination von Bewegungsabläufen im Sport und Alltag und dadurch vermehrte Unfallgefährdung.

Hier finden Sie weitere Informationen zur Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung e. V.
BAG für Haltungs- und Bewegungsförterung e. V.